Stellungnahme unserer Initiative

13 Tage liegen nun seit Veröffentlichung unserer Website und Petition hinter uns, an deren Ende wir mit Stolz auf die vergangene Zeit, aber mit gebrochenem Herzen in die Zukunft blicken.

Doch zunächst eine Bilanz, die uns stolz macht:

1.837 Menschen haben unsere Petition unterschrieben.
10.04 % aller Ebenseer*innen haben bekundet, dass ihnen der Emseea am Herzen liegt.
ALLE Fraktionen im Gemeinderat haben ihre Unterstützung bekundet.
Dutzende Vereine, Gewerbetreibende, Organisationen, Unternehmer*innen haben ihr Interesse an einer Unterstützung und Kooperation bekräftigt.
312 Stunden ehrenamtliche Arbeit sind allein in diesen 13 Tagen in ein nachhaltiges, zukunftsfähiges Konzept geflossen.

Wir als Initiative “Emseea-Retten” spüren eine große Verantwortung gegenüber jedem einzelnen unserer Unterstützer*innen. Deshalb war es unser Ziel, das Gebäude und seine Substanz (auch die Innenräume) so weit als möglich zu erhalten. Wir fassen unser Projekt “Emseea-Retten” nicht nur als soziokulturelle, sondern auch als baukulturelle Verantwortung auf! 

Ein kurzer Rückblick:

Am 20.11.2020 trafen sich zwei Vertreter*innen der Initiative Emseea-Retten, Vertreter*innen aller Fraktionen sowie Grundeigentümerin und ihre Projektpartner zu einem runden Tisch. Dabei wurde u.a. ein Termin zur Konzeptbesprechung zwischen Initiative “Emseea-Retten” und der Grundeigentümerin vereinbart. Offenbar gibt es jedoch unterschiedliche Ansichten zu den Ergebnissen des Treffens am 20.11.2020. 

Bereits kurze Zeit nach dem runden Tisch hat uns die Nachricht erreicht, dass die Gaststube mitsamt Holzvertäfelung und Kachelofen entfernt wurde, obwohl bei den vorangegangen Gesprächen vereinbart worden war, jegliche Abrisshandlungen bis zum nächsten Verhandlungstermin ruhen zu lassen. Leider wurden unsere Erwartungen in dieser Hinsicht enttäuscht. 

Um konkrete Einschätzungen und Kalkulationen hinsichtlich Renovierungskosten sowie zukünftige Nutzungskonzepte erstellen zu können, haben wir uns mehrmals um einen Begehungstermin bemüht. Dies wurde von Seiten der Eigentümerin und der Baufirma mit dem Verweis, dass das Haus ohnehin nicht renoviert werden würde, abgelehnt. Wir hätten uns vom tatsächlichen Zustand des Gebäudes gerne mit Expert*innen (Baurecht, Gewerberecht) selbst überzeugt. Nach eigenen Recherchen und Expert*innengesprächen in Bezug auf die rechtliche Sachlage ergab sich für uns ein anderes Bild als das von der Besitzerin dargelegte.

Ende vergangener Woche wurden wir von der Eigentümerin darüber informiert, dass ihrer Ansicht nach nie ein Kaufangebot bestand und von Vornherein klar war, dass der Abriss des Hauses beschlossene Sache ist. Darüber herrschen unterschiedliche Meinungen.
Im Rahmen des runden Tisches wurde kurz die Idee einer Partnerschaft zwischen der Eigentümerin, den Projektpartnern und unserer Initiative aufgeworfen. Grundzüge wären die Neuerrichtung des Gebäudes und der Betrieb der Gaststätte durch die Initiative gewesen. Dies widerspricht jedoch unserem ursprünglichen Ziel – nicht umsonst nennt sich unsere Initiative “Emseea retten” – ,  da der Erhalt dieses Stücks Bau- und Wirtshauskultur für uns immer im Fokus stand. Gleichzeitig war es uns nicht möglich, im Rahmen von weiteren Gesprächen Details zu dieser möglichen Kooperation zu erörtern. Aus diesen Gründen ist es uns nicht möglich, diesen Weg weiter zu verfolgen.

Unser Plan

Viele fragen sich jetzt natürlich, was unsere Ideen gewesen wären. Daher möchten wir hier kurz unser Konzept vorstellen. Details und weitere Informationen können Interessierte gerne persönlich bei uns anfragen. 


Unser Konzept fußt auf drei Säulen:

Das Projekt wäre ambitioniert und komplex gewesen, dessen sind wir uns seit Anbeginn an bewusst. Wir haben uns daher im Zuge der Konzepterstellung in den letzten Monaten mit Expert*innen verschiedenster Felder aus dem Ort, aber auch darüber hinaus beraten. Hier seien nur ein paar als Beispiele angeführt: 

Bausachverständige, Expert*innen für Renovierungen, Expert*innen für Gewerbe- und Baurecht, Betriebswirt*innen, WKO, SPES-Zukunftsakademie, Agenda 21, lokale Unternehmer*innen und potentielle Kooperationspartner*innen sowie Betreiber*innen erfolgreicher Wirtshausrevitalisierungen. 

Die Finanzierung der Investition sollte mit verschiedenen Instrumenten mit dem Ziel einer soliden Eigenkapitalbasis erfolgen. Im Zentrum stand die Gründung einer Genossenschaft, die es uns allen ermöglicht hätte, am Erfolg dieses Projekts zu partizipieren. Zusätzlich zum Engagement einzelner Investor*innen hätten wir uns um öffentliche Fördergelder aus den Bereichen Agenda 21, Förderung der Dorf- & Stadtentwicklung, Unternehmensgründungen, Tourismus, Kulturhauptstadt 2024 und anderen Quellen beworben. Entsprechende Vorgespräche wurden bereits geführt. 

Plan B…? 

Den Emseea haben wir scheinbar leider nicht retten können und seine Zukunft ist zumindest für uns ungewiss. Doch genauso groß wie unser Engagement ist unsere Überzeugung, dass unser Projekt eine nachhaltige, langfristige und zukunftsträchtige Lösung für unseren Ort gewesen wäre. Ein breites Zusammenwirken auf lokaler Ebene, unterstützt durch Expert*innen von außen, hätte einen großen Mehrwert für uns alle geboten! Auch wenn wir den Emseea für immer verloren haben, hoffen wir dennoch, dass sich aus dem unglaublichen Zusammenhalt und der Kreativität der letzten Wochen nachhaltig etwas ergibt. 

Fest steht, dass in den letzten Tagen mehr als deutlich wurde, dass die Auseinandersetzung damit, wie wir unseren Ort sowohl in bau- als auch soziokultureller Weise gestalten, wesentlich ist! Wir sind überzeugt, dass es zukünftig in diesen Bereichen – auch von politischer Seite – mehr und offeneren Diskurs braucht. 

Unser Ebensee war immer ein ungewöhnlicher und mutiger Ort. Wir Ebenseer*innen sehen uns gerne in der Rolle der aufmüpfigen, produktiven Unruhestifter*innen, die gegebene Tatsachen nicht so einfach akzeptieren (schon gar nicht von irgendwelchen “Obrigkeiten” vorgegebene). Wieso nehmen wir also unsere Zukunft nicht mit dem gleichen Mut und Engagement in die Hand? 

Zum Schluss möchten wir uns nochmal bei allen bedanken, die an das Projekt geglaubt und uns unterstützt haben! Die vielen Unterschriften, E-Mails, Anrufe, Gespräche haben uns immer wieder ermutigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Vielen lieben Dank!

Eure Initiative “Emseea-Retten” 

Erfolgsgeschichten

Dass wir mit unserer Absicht den Emseer als Wirtshaus zu erhalten nicht nur einen idealistischen Traum verfolgen, sondern ein umsetzbares Ziel vor Augen haben, zeigen zahlreiche Beispiele gelungener Gasthausrevitalisierungen.

Alle diese Projekte wurden dank motivierter Bürger*innen angegangen und schlussendlich durch ihr Engagement umgesetzt.

Die folgenden Erfolgsgeschichten sollen nicht nur dokumentieren, was alles möglich ist, sondern auch zeigen, dass man das Rad nicht neu erfinden muss, um Wirtshauskultur langfristig zu erhalten.

Gasthaus Bräu in Munderfing

Nach jahrelangem Leerstand wurde das Gasthaus Bräu in der innviertler Gemeinde Munderfing im Jahr 2017 neu eröffnet. Neben einem Restaurant wurde ein Veranstaltungszentrum für Seminare, Vernissagen und Präsentationen umgesetzt.

https://www.restaurant-forthuber.at/

DorfWirtschaft in Asten (Bayern)

310 Bewohner*innen der bayrischen Gemeinde Asten gründeten eine Genossenschaft und unter Beteiligung des gesamten Ortes wurde die Sanierung des alten Gebäudes in Angriff genommen. 2013 konnte die „DorfWirtschaft“ eröffnet werden.

Wirthaus „Bartle“ in Riefensberg

In Riefensberg (Vorarlberg) fanden sich Bewohner*innen nicht mit der Schließung des Dorfcafés ab. Sie organisierten sich, gründen eine Genossenschaft und eröffnen das Wirtshaus Bartle.

https://www.facebook.com/wirtshus

dasrößle in Todtnau (Baden-Württemberg)

2012 kaufte eine Genossenschaft von anfangs 196 Mitgliedern das alte leerstehende Gebäude in der Gemeinde Todtnau (Baden-Württemberg). Mit der Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen renovierten sie das Haus und machten “dasrößle” zu einem regionalen Treffpunkt für Kunst, Kultur und Brauchtum.

St.Stefan – Afiesl

In St. Stefan-Afiesl im Mühlviertel wurde als Reaktion zur Schließung des letzten Lebensmittelgeschäfts und Gasthauses eine Bürgerbeteiligungsprozess gestartet. Gemeinsam wurde ein Konzept für einen sozialen Treffpunkt mit Lebensmittelverkauf regionaler Produkte, Kaffeehaus und Gastwirtschaft entwickelt. Zurzeit befindet sich das Projekt in der Umsetzungsphase.

Medienbericht zur Rettung der „DorfWirtschaft“ Asten

https://www.sn.at/leben/lifestyle/erfolgsrezept-gegen-wirtetod-4915087

Medienbericht zur Rettung des Gasthauses Schiffmeister in Niederösterreich

https://www.noen.at/melk/krummnussbaum-eine-neue-wirtin-fuer-das-schiffmeister-krummnussbaum-schiffmeisterhaus-sigrid-waldhans-185810040

Update, 20.11.2020

Liebe Mitstreiter*innen und Unterstützer*innen, 

Ein ereignisreicher Tag liegt hinter uns! Wir dürfen berichten, dass zwei Vertreter*innen unserer Initiative heute ein sehr konstruktives Gespräch mit der Grundeigentümerin und dem Bauunternehmen führen konnten. Wir möchten uns auch an dieser Stelle noch einmal für die Bereitschaft dazu bedanken! Auch Vertreter*innen der SPÖ, ÖVP und BÜFE sowie Thomas Siegl als Bausachverständiger nahmen an der Besprechung teil. Die örtliche FPÖ-Fraktion hatte ebenfalls großes Interesse am Termin, konnte diesen jedoch aus zeitlichen Gründen nicht wahrnehmen.

Es wurde klar, dass allen Beteiligten die Weiterführung des Emseeas am Herzen liegt.
Mehr als drei Stunden wurden verschiedene Möglichkeiten besprochen. Für uns steht eine gemeinschaftliche und nachhaltige Lösung, die sensibel mit der baulichen Substanz umgeht und dabei wirtschaftliche Faktoren beachtet, an erster Stelle. Dafür wollen wir als nächsten Schritt gemeinsam mit Expert*innen verschiedene Varianten diskutieren und daran anschließend in weiterführende Gespräche treten. 

Wir halten euch weiter auf dem Laufenden! 

Alles Liebe,

Eure Emseea-Retten Initiative

Ein erstes Zwischenfazit!

Liebe Mitstreiter*innen und Unterstützer*innen, 

Vielen, vielen Dank! Nach nicht einmal einem Tag konnten wir bereits mehr als 1200 Unterschriften sammeln. Wir sind überwältigt und dankbar! Der Großteil davon stammt von Ebenseer*innen. Das zeigt einmal mehr, wie groß das Bedürfnis ist, den Emseea zu erhalten! 

Wie wir merken, hat unsere Rettungsaktion bereits zu einer ersten Gegenreaktion geführt. Die charakteristische alte Kastanie vor dem Emseea wurde heute gefällt, Baucontainer wurden aufgestellt und Zäune installiert. Wir hoffen dennoch, dass wir die Chance erhalten, uns mit der Eigentümerin sowie dem Bauunternehmen an einen Tisch zu setzen und Angebote zu diskutieren. 

Wir wollen an dieser Stelle auch deutlich machen, dass unsere Rettungsaktion nicht gegen Privatpersonen oder Unternehmen gerichtet ist! Letztendlich ist es nebensächlich, wer dort baut. Für uns zählt einzig und allein, dass der Emseea erhalten bleibt und auch nachfolgende Generationen die Chance erhalten, diesen offenen Ort zu erleben und mitzugestalten. 

Bürgermeister Markus Siller hat uns kontaktiert und versichert, dass er sich der Sache annimmt. Auch Vertreter*innen anderer Fraktionen sind bereits auf uns zugekommen. Das ist für uns ein klares Zeichen, dass der Erhalt des Emseeas nicht nur der Bevölkerung, sondern auch unserer Lokalpolitik quer durch die Fraktionen ein wichtiges Anliegen ist.

Für Freitag, 20.11.2020 ist gemeinsam mit Bauunternehmen, Grundstückseigentümerin und Bgm. Markus Siller ein runder Tisch angestrebt. Das ist ein erfreulicher Schritt in die richtige Richtung. 

Wirtshäuser, wie der legendäre Emseea, spielen für eine Gemeinde eine essentielle Rolle. Ein Ort zum Treffen, zum Plaudern, zum Streiten, zum Genießen, zum Abschalten nach einem langen Arbeitstag. Wir sind uns sicher, dass der überwiegende Großteil der Ebenseer*innen solche Orte zu schätzen weiß, auch die derzeitige Grundstückseigentümerin sowie der Bauunternehmer.
Wir sind überzeugt, dass sich eine für alle Beteiligten (Initative Emseea-Retten, Grundstückeigentümerin und Bauunternehmen) zufriedenstellende und profitable Lösung finden lässt. 

Wir halten euch auf dem Laufenden! 

Die Emseea-Retten Initiative