Unser Emseea

Hier erzählen Menschen, warum Ihnen der Emseea am Herzen liegt und sie sich für seinen Erhalt einsetzen.

Wir ergänzen diese Rubrik laufend.

Du möchtest auch teilen, warum du für den Erhalt des Emseeas bist?
Wir freuen uns darüber! Schreib uns unter info@emseea-retten.at


„Wenn ich an die sieben Jahre zurückdenke, die ich im Wirtshaus zur Ebensee gearbeitet habe, fallen mir sofort die unglaublich lustigen und spannenden Geschichten ein, die ich mit meinen Kolleginnen und Gästen erleben durfte. Manche Nächte sind legendär…
Unser Wirtshaus war für Viele ein Wohnzimmer, in dem sie Gleichgesinnte, Zuhörer, Tröster und Spaßmacher fanden. Und natürlich gutes Essen und Trinken.
Manchmal gabs auch Streit und heftige Diskussionen –  alles eben, was ein Miteinander ausmacht. Ein Wirtshaus zu schließen, bedeutet, vielen Menschen einen Platz zu nehmen, der ihnen Freude, Genuß und soziale Nähe und Sicherheit gibt. In diesem Sinne wünsche ich mir ein Fortbestehen dieser unglaublich wichtigen Einrichtungen.
Prost!“
– Gudrun Forstner

„Der Emseea hat Platz geboten um Jung und Alt, Personen aller Berufssparten und Weltanschauungen an einen Tisch zu bringen. Der Verlust für jeden Einzelnen und die gesamte Gemeinde ist enorm und keinesfalls mit neu geschaffenem Wohnraum aufzuwiegen.“
– Sebastian Reisenbichler

„Der Emseea-Wirt war für mich und meine Freunde stets ein Ort der Zusammenkunft. Wir verbrachten viele frühe und späte Stunden in der besonderen Atmosphäre dieser legendären Gaststätte. Bei jedem Blick zu unserem Nachbar kommen mir viele persönliche Erfahrungen und Erzählungen ins Gedächtnis, die ich auf keinen Fall missen möchte. Es wäre mir ein Anliegen, dass man diese Geschichten nicht schon zur Vergangenheit zählen muss, sondern mit weiteren, neuen ergänzen kann, um diese wiederum an die nächste Generation weiterzugeben.“
– David Rahberger

„Unser baukulturelles Erbe hat sich unter ganz besonderen lokalen Rahmenbedingungen über Jahrhunderte hinweg entwickelt. Es ist, so wie wir, an die lokalen Rahmenbedingungen angepasst und damit ein wesentlicher Teil unserer Identität. Die Zerstörung dieser wertvollen historischen Bausubstanz und deren Ersatz durch gesichtslose Allerweltsbauten bedeutet nicht nur einen kulturellen Verlust, sondern auch die Zerstörung von gebautem Erfahrungswissen, wie mit lokal verfügbaren Materialien dauerhaft und nachhaltig gebaut werden kann.“

– Fritz Idam
(c) Foto: privat

„Wenn dieses Gebäude nur sprechen könnte… unzählige Stunden wären wir damit beschäftigt, den Geschichten zu lauschen – Eine Fülle an Erinnerungen die noch mehr oder weniger im Gedächtnis der Wirtshausgäste geblieben sind.
Unbeschreibliche Erlebnisse, legendäre Abende und wunderbare Begegnungen, die es nur beim Emseea geben konnte – weit über unsere Ortsgrenzen bekannt!
Es war mir eine Ehre, dort lange Zeit zu arbeiten und auch einen Großteil meiner Freizeit im Wohnzimmer unter Freunden zu verbringen.
Mir blutet das Herz, wenn ich nur daran denke, was daraus werden soll!“

– Mizzi Hogh

„Seit 1981 sind wir Zuwanderer in Ebensee. Ein Gefühl von Fremdheit stellte sich nie ein: Zu gastlich und spannend ging es hier zu. Dazu gesellte sich das Angebot an Kultur, das reichte von Lesungen und Konzerten zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes. Der erste Treffpunkt war das legendäre Kernstüberl, bald hatte der Kulturverein das Kino übernommen, dessen überregionaler Stellenwert hier nur kurz angedeutet wird.
Welcher Pioniergeist beflügelte die Menschen, die eine Renovierung des Gasthauses  Zur Ebensee in Angriff nahmen! Und wir durften uns wieder in die Runde der Stammgäste einreihen: nach Filmen, Konzerten, Veranstaltungen aller Art in Gruppen; allein/zu zweit, weil hier immer Bekannte zu treffen waren. Es gab Gesprächsstoff und Spaß ohne Ende. Bei wie vielen Festln waren wir als Gäste anwesend, unvergessen meine 50-er Feier, liebevoll betreut von Gudrun Hotter! Noch im vergangenen September genoss ich im Garten mein Toscana-Weckerl und Radlerseiterl neben der Skulptur von Fellner Stefan.
Corona-Lockdown und die Folgen wären auf alle Fälle leichter zu bewältigen, wenn die Rückkehr in unser Stammwirtshaus in Aussicht stehen würde.
Ingrid und Gerhard Moser“

(c) Foto: Gerhard Carl Moser

„Vor einigen Jahren hat mich der Sturm des Lebens für 4 Jahre nach Ebensee verweht. Da Emseea war für mich damals die wichtigste Anlaufstelle, do hob i mi wohl gfüht do woa i daham. Dort hab ich getanzt bis in die Morgenstunden, gelacht, geweint, gestritten und  Freundschaften geschlossen. Bin hin gegangen wenn ich mich einsam und traurig gefühlt habe. Bin glücklich und froh wieder nach Hause gegangen wegen der schönen, interessanten und lustigen Begegnungen, die ich dort gehabt habe und auch dann, wenn ich nur stille Beobachterin war. Mein Bruder und mei Schwagarin haben dort Hochzeit und ihren 50ger gefeiert, was für Feste. Viele schöne Erinnerungen an den Emseea sind nach wie vor in meinem Herzen. Und wenn ich heute nach Ebensee fahre vermiss ich ihn den Emseea. Do denk i, a und zum Emseea geh i a und daun….. na geht jo net mehr 🙁 
I wünsch eich ois guade und i hoff mia sehn uns beim Emseea bei an rauschenden mia homs gschofft Fest“
– Michaela Ulrich

„Ich vermisse die lauen Sommernächte unterm Kastanienbaum. Die stundenlangen Gespräche über alles Mögliche und Unmögliche, das spontane Einkehren nach einem langen Arbeitstag und die sensationellen Emseea-Weckerl.“
– Lisa Neuhuber

The first time I played the wonderful Emseea Tavern was in the company of my sadly-missed friend Nikki Sudden. That was on the 17th of October 1998, and Nikki and I were on a three date semi-plugged mini tour of Austria, with dates in Emseea, St Pölten and Wien. Nikki introduced me to his long-time friends Konrad and Klaus Wallinger, and a year or two later I was back in Austria to play Ebensee Kino with my Czech band Southern Cross. It’s been like that ever since – Ebensee has welcomed me every year or two, either with Southern Cross, Fatal Shore or most recently my Berlin-based band Dim Locator, and the post gig- trip to Emseea for a night of alcohol-fuelled antics has become a delicious part of the ritual. I LOVE the tavern and the people I have met there, and it seems that I’ve never once managed to get out of the place before daybreak! This is exactly how a tavern should be – a place where closing hours don’t apply, and a warm and convivial atmosphere lasts until the very last guest is ready to stumble home and fumble and tumble into a cosy bed. Sometimes I’ve made it back to the hotel under my own steam; other times I’ve been bundled semi-conscious into the back of a station wagon and deposited on the front steps of the guest house. I remember being there with Nikki Sudden, Bruno Adams and Dave Kusworth, all of them now passed into the Great Beyond and into the Great History Book Of Rock & Roll Indie Legends. Is it too fanciful to say that their spirits still linger outside Emseea at 5am with the mist rising, waiting for a taxi that somehow never arrives? I remember masked balls and buxom wenches, all kinds of fantastic music, and endless mugs of foaming Austrian beer. And never an argument or a cross word spoken, even though the bar staff were having to field order after order from drunken foreign rockers and thirsty locals. What a magical place! I hear that the tavern was established in 1708, which just to put things into a historical perspective is the same year that Charles X11 of Sweden tried to conquer Moscow in The Great Northern War. I wonder how many litres of beer have been swallowed since Charlie boy gave up? Long may the Emseea tavern continue to bring culture, friendship and good cheer, not only to the inhabitants of Ebensee, but to musicians and artists from London and Paris, Berlin and Milan, New York and San Francisco.

Phil Shoenfelt, 
Prague 18/11/2020″  

(c) Foto: Phil Shoenfelt

„Die Situation rund um den Emseea zeigt, dass wir mehr öffentliche Diskussion über die Zukunft unserer Gemeinden brauchen. Aus meiner Sicht sind die am Tisch liegenden Pläne eines Wohnparks alles andere als eine besonders phantasievolle Lösung. Eher more of the same und davon haben wir genug! Also, wie finden wir phantasievolle Lösungen?
Gesteigerte (soziale) Mobilität, gesellschaftlicher Wandel und gesetzliche (De)Regulierungswut haben das über Jahrhunderte funktionierende Konzept der Gaststätte als sozialen Treffpunkt an den Rand gedrängt. Für die Zukunft brauchen wir daher neue Konzepte. Ohne eine Antwort zu haben möchte ich eine Fährte legen: Aussa aus de Staudn und hinein ins gemeinsame Aushandeln. Es geht um uns, wer wenn nicht wir, sind die Expert*innen für die Zukunft unserer Orte? Die neuen sozialen Treffpunkte finden sich dort, wo die Menschen sich nicht länger ins Private zurückziehen und nicht mehr nur Kundinnen und Käufer sind sondern wieder Akteure und Akteurinnen werden. Auf weitere 400 Jahre Emseea und die Emseea!“
– Mario Friedwagner

„Dem Aufruf ein persönliches Statement zum Gasthaus zur Ebensee alias Emseea abzugeben folge ich gerne, obwohl mir das Schreiben nicht besonders liegt.
Als ich hörte dass es nun quasi dem modernen Wohnhausbau in Form bewohnbarer Schuhkartons zum Opfer fallen muss war ich schockiert und erschüttert.
Den Emseea hab ich mit 15/16 Jahren entdeckt und er war für mich als Jugendliche eine wahre Erlösung bzw Befreiung. Ein  Ort der persönlichen menschlichen und geistigen Begegnung. Ein Ort an dem ich nicht nur tolle Menschen kennenlernen durfte, sondern mich auch als Teil einer Kulturbewegung wahrnahm. Mit 16 Jahren neben Musikern im Gasthaus zu sitzen, die man zuvor im Kino auf der Bühne sah, war ein Tor zu einer anderen Welt. Am Sonntag zum Lieblingskellner auf ein Bier zu gehen und immer zu wissen, dass jemand dort sein würde den man kennt oder mit dem man reden kann machte es wahrlich ‚zum 2. Wohnzimmer‘. Ich habe dort wichtige und prägende Menschen in meinem Leben kennengelernt, die auch heute noch, wenn auch weit entfernt, Teil meines Lebens sind . 
Ich vermisse diese Atmosphäre des Emseeas sehr. Geschichtsträchtiges, ‚Uriges‘ mit Neuem zu Verbinden hatte nie etwas Widersprüchliches für mich.
Ich war immer Stolz aus Ebensee zu kommen, jetzt schäme ich mich dafür, dass wir es nicht schaffen können dieses Gasthaus auch für unsere Nachkommen erhalten zu können. Meinem eigenen Kind werde ich solche Dinge leider nie erklären können, denn ich kann es selber nicht verstehen. RIP mein Gasthaus zur Ebensee, es war sehr schön auch ein mikroskopischer Teil deiner Geschichte sein zu dürfen …“
– Mag. Claudia Heißl

„Nachdem ich heuer meinen 60-igsten Geburtstag feiere, ist es nun doch schon einige Jahre her, dass ich als Kind in der „Weberei“ aufgewachsen bin. Schon damals (vor mehr als 50 Jahren) spazierten wir Kinder zum „Emseea“, um uns bei der alten Frau Hofinger einen Eislutscher zu kaufen. Von den alten „Webereilern“ hörten wir Kinder des Öfteren: „Kauf ma uns an Liter beim Emseea?“. Schon damals sah dieses traditionsreiche Gebäude gleich aus wie heute. 
Ein alter Stammgast bezeichnete dieses Gasthaus vor einiger Zeit einmal als „offenes Haus“. Das spiegelte sich auch wider, als Michael „Mike“ Lahnsteiner das Gasthaus übernahm. Ich erinnere mich beispielsweise sehr gerne an die großartige „Willkommensfeier“ mit und für die Asylwerber im Jahr 2015. 
Nachdem meine Töchter als Kellnerinnen beim „Emseea“ das Taschengeld aufbesserten, besuchte auch ich des Öfteren dieses Gasthaus. Es war immer unterhaltsam, dort einige (oft viele) Stunden dort zu verbringen. Man traf auf angenehme, offene Personen, mit denen man sich austauschen konnte. 
Genossen habe ich dieses Gaststätte auch oft mit meinen Lauffreunden, wenn wir nach unserem Lauftreff am Montag noch auf ein Bier und ein „Emseeaweckerl“ gegangen sind. Auch wenn aktuell die Zeichen nicht gut für unseren „Emseea“ stehen, ersuche ich alle, die in ihrem Bereich Möglichkeiten haben, den Abriss dieses Juwels noch einmal zu überdenken bzw. zu verhindern. Gefordert ist da natürlich unsere Gemeindepolitik (die ja auch selbst viele Stunden dort verbracht hat).

PS: Für das von der Firma Steinkogler geplante Bauprojekt, würde es als Alternative sicher andere Standorte in Ebensee geben!“
– Wolfgang Derfler

„Ich vermisse den Emseea, da man dort bei den wenigen Gelegenheiten die wir in Ebensee sind auf einen Schlag alle Leute getroffen hat. Es war dort gemütlich ob drinnen oder draußen und gutes Essen gab es auch. Außerdem gibt es nicht wirklich viele Alternativen zum ‚Fortgehen‘ in Ebensee darum fehlt der Emseea meiner Meinung nach sehr.“
– Sabrina

„Ich denke es wird zukünftig zwei Arten von Gemeinden* geben. Jene, die mit aller Konsequenz ihre Vorstellungen eines gesellschaftlichen Zusammenlebens hochhalten und dafür auch bislang nicht dagewesene, vielleicht experimentelle Wege zulassen, selbst wenn deren finanzielle Natur – kurzfristig betrachtet – Herausforderungen mit sich bringen. Und jene, in denen der Weg des geringsten Widerstands gegangen wird, wo das „business as usual“ regiert. Wir alle wollen doch in ersteren Leben!
Deshalb: Emseea retten!

*gemeint als die Gesamtheit aller Bewohnerinnen und lokalen Akteur*innen.“
– Eva Maria Mair

„Wenn das Landei zum Studieren nach Wien geht, triffts auf viele andere Landeier*innen. Und bei der Vorlesung am Montag Mittag erzählt man sich das Wochenende: vom Fußballverein, von der Blasmusikkapelle, vom Trichtersaufen im Hexenstadl. Da gibts aber dann ein paar Landeier*innen, die reden von was anderem: vom Fuzzman-Konzert und der gemeinsamen Sauferei mit dem Sänger, von nächtelangen Diskussionen über den neuesten Almodovar-Streifen bei Weißbier und Emseea-Weckerl, vom Wuzzeln, Dartln und Schachspielen beim Wirten. Sie erzählen von einem Ort, wo einer am Stammtisch schläft, die Fußballmannschaft die letzte Niederlage analysiert, die DJane die Pixies auflegt, das Frauenforum die Vorstandssitzung abhält und da Filzhut mit Gamsbart am Kachelofen hängt – und das gleichzeitig.
Wenn das Landei in der Stadt bleibt dann kommts wieder. Und das Landei fragt sich nicht: ‚Wen soll ich anrufen oder könnt ich treffen?‘ – es geht zum Emseea und zwar am 26. Dezember zum Krambamberln und da triffts alle wieder: die dageblieben sind, die zurückkommen sind, die weggegangen sind. Mit dem Bier in der Hand wird ausgetauscht, erinnert, nach vorne geschaut, verabredet bis zum nächsten Jahr – wo das gleiche wieder erzählt wird. Und das Landei (oder doch schon der Exilant) kraxelt durchs Loch im Zaun, wackelt auf den Schienen heimwärts – und grinst.“
– Jürgen Neuhuber

„Der Emseea war für mich nicht nur lange Zeit ein wundervoller Arbeitsplatz, der mich
während meines Studiums in Graz finanziell unterstützt hat, sondern auch ein Ort, an dem
wunderbare Begegnungen stattfanden, tiefgründige Unterhaltungen in den frühen
Morgenstunden geführt und äußerst bedeutende Freundschaften geschlossen wurden. Er ist und bleibt ein wichtiger, prägender Teil meiner Jugend und es bricht mir das Herz, dass dieses geschichtsträchtige Gebäude – nicht nur aus historischer Sicht – niedergeschoben und zerstört werden soll. Für mich war der Emseea immer ein Ort des Austauschs, wo die unterschiedlichsten Leute zusammengefunden, miteinander gefeiert und eine gute Zeit verbracht haben. Auch für die heutigen ‚Jungen‘ wäre es ungemein wichtig, dass sie so einen Ort, der für ALLE offen steht, hätten!“
– Sonja Derfler
(c) Foto: privat

„Kaum eine Tageszeitung oder ein Magazin kommt derzeit im Feuilleton ohne Reportage über leere Ortskerne, schrumpfendes Infrastrukturangebot und die daraus folgenden Abwanderungstendenzen des ländlichen Raums aus. Die Problematik ist nicht mehr zu ignorieren.
Die Anzahl der Wirtshäuser ist in den letzten 20 Jahren österreichweit um 4.000 gesunken. Der Schrumpfungstrend ist ein Spiegelbild des Ortsterbens im ländlichen Raum. Einmal trifft es die Postfiliale oder den Nahversorger, ein anderes Mal eben das Wirtshaus. Damit einhergehende Ortskernverödung und die folgende Ansiedelung von Einkaufszentren (inklusive Friseur, Café und Trafik) an Bundesstraßenabfahrten sind überall die Folge. Stirbt das Gasthaus, stirbt ein Ort des Zusammenkommens, ein Stück der Gemeinschaft und damit Lebensqualität geht verloren.
Dass diese Lebensqualität für Dagebliebene und potentielle Rückkehrer*innen durch die gegenwärtige Arbeitsplatzsituation, attraktiven Naturraum und leistbaren Wohnraum mitdefiniert wird, ist dabei hinlänglich bekannt. Dass allerdings auch Faktoren wie belebte Straßen und Gassen, bauliche Ausstattung, Infrastruktur, Treffpunkte und ja, Gemeinschaft eine wesentliche Rolle spielen, wurde lange Zeit wenig beachtet.
Die wesentliche Voraussetzung für einen dauerhaften örtlichen Zusammenhalt ist eine Bindung der Bewohner*innen zu ‚ihrem‘ Ort. Im Salzkammergut entsteht diese vorrangig durch Traditionen, Brauchtümer und Vereinsmitgliedschaft. Speziell in Ebensee zeigt sich allerdings noch eine weitere Qualität: Brauchtumskultur, Blasmusik, Fußball- und Trachtenverein können auf einer Ebene gemeinsam mit alternativer (Gegen-)Kultur existieren. Die Ebenseer Kulturlandschaft schafft es, ein breit gefächertes Angebot für ein anspruchsvolles und differenziertes Ortspublikum anzubieten.  Um die damit einhergehenden Qualitäten ausschöpfen zu können, braucht es sozialen Raum, kommunikative Plattformen und Orte des Zusammenkommens. Der Emseea ist im Ort einer der Letzten dieser Art.“
– Tobias Reisenbichler

(c) Foto: privat

„To whom it may concern,
I’m writing to offer my support for the restoration and upholding of the Emseea local house, and community centre, situated in Ebensee, Upper Austria.

When I moved to Ebensee in 2015, I was alone, yet found support and warmth from the people of Ebensee. Many of whom invited me to eat, talk, and spend time together at the Emseea, and indeed their personal homes. It was a place where I felt welcomed as a foreigner, in a new land, with little, to no knowledge of the German language. This place enabled me to meet and make new friends, many of which I still hold dear to me, even though I’ve moved on to pastures new. 
The Emseea was a focal point for the community. A place where many could congregate, share experiences, and offer support to others. Not only a ‚bar‘ or restaurant, but also a place where one could feel safe and connected, particularly in times of trouble and hardship.
Upon hearing of the plans to demolish the site, I feel a strong urge to offer my input. This place, and indeed the community of Ebensee folk, helped me in untold times of trouble, difficulty, and loneliness. It is a testament to the people of Ebensee, and the locals who managed and maintained the Emseea, that they were able to find a place that supported a multicultural environment.
I hope you find my message well, and can appreciate both the fondness and gratitude I have for Ebensee, The Emseea, and the people who deserve to have such a place within their community.

Best wishes 
Robert Kennedy“

(c) Foto: Gerhard Carl Moser

„Jugend und Wochenende, das war für uns (Kino und) Emseea. Cool sein wollen und doch man selbst sein können. Cola-Rot (!) trinken, an der Bar sitzen, JG-Discos und andere Tanzabende mit DJs aus dem Freundeskreis, die man ewig bekniete, doch bitte endlich das Lieblingslied zu spielen, nur um irgendwann zu hören, dass er die entsprechende CD nicht mithatte; Drama! Durchgeknallte Faschingsgschnas-Veranstaltungen, einen Stand zu haben auf irgendeinen coolen Typen, der irgendwann auftauchte und dann Billard spielte, … Am viel zu kleinen Damen-WC dann über weltbewegende Strategien zu philosophieren, Trivial Pursuit-Runden, Activity oder das A**-Kartenspiel -was haben wir gelacht.
Verschwitzt vom Konzert, den Sänger höchstpersönlich in schlechtem Schulenglisch um ein Autogramm bitten und schlussendlich am Tisch der Band sitzen bleiben zu dürfen, um mit großen Ohren den Tour-Erlebnissen zu lauschen, …
Die Frage, wo die Geburtstags-, Weihnachts- oder was auch immer für eine Feier stattfinden sollte oder man sich zum Fortgehen treffen wollte, stellte sich für uns nie. Es ging eigentlich nur um die Uhrzeit und nicht mehr. Es gab auch nie die Frage „glaubst, ist noch ein Platz frei?“. Es war klar: Tür auf und rein und man wusste genau irgendjemand ist da den/die man kennt, wo man sich dazu setzen kann und fast nahtlos an das gerade stattfindende Gespräch anknüpfen konnte. Wir wussten auch immer, gerade zu den Feiertagen, kamen alle dort zusammen mit denen man Zeit verbringen wollte oder aber man lernte wieder jemanden kennen, mit dem man seeehr viel Zeit seines Lebens verbringen würde. Freunde von außerhalb waren immer fasziniert, wenn man sie mitbrachte und wurden dermaßen schnell integriert und mit Zirben Schnaps bewirtet, dass sie oft gar nicht wussten, wie ihnen geschah. Freundliche oder auch lästige KellnerInnen, anschreiben lassen zu können, wenn man das Geld vergessen hatte – es war ein Lebensgefühl, das wir auch den nächsten Generationen gönnen und allen Anderen, die das (noch) nicht erleben durften… Die Zeiten schreien danach!“
– Ponti und Reini

„Wohnzimmer. Wohnzimmer ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit dem Emseea immer wieder gerne (auch von mir) verwendet wird. Eigentlich geht der Begriff gar nicht weit genug. Ich glaube, kein normales Wohnzimmer kann im Laufe von 25 Jahren (damals ‚lernte‘ ich dort als Jugendlicher das Fortgehen) so viele bleibende Eindrücke bei einer Person zu hinterlassen, als es der Emseea bei mir geschafft hat. Alleine die bunte Mischung des Publikums und das breite Angebot an Unterhaltung waren schlicht beeindruckend. Jedes Mal, wenn man die Türe zur Gaststube öffnete, war es fast wie ein spannendes Würfelspiel, welche Szene man gerade vorfindet.
Diskutiert die Akademikerin am Stammtisch mit dem Forstarbeiter über Politik? Läuft ein Fußballspiel am Fernseher, welches vom halben Ebenseer Gemeinderat lautstark kommentiert wird? Ist heute ein Konzert? Spielt gerade der Schachmeister nach dem 8. Zirbenschnaps die 3. Partie gegen einen Goth, der sich nebenbei noch mit einem Nerd über Dungeons & Dragons unterhält? Die Liste ließe sich beinahe endlos fortführen.
Anfangs war mir gar nicht so wirklich bewusst, wie außergewöhnlich diese Melange war. Das, was man beim Emseea vorfindet, war halt einfach ’normal‘. Erst als ich zum ‚Exil-Ebenseer‘ wurde, ist mir so richtig klar geworden, wie besonders diese Mischung aus einzigartiger Lokalität, Persönlichkeiten, Tradition und Kultur (in all ihren Ausformungen) eigentlich ist. Daher war es mir über Jahre hinweg immer wieder eine Freude, meine nicht-Ebenseer Freunde und Freundinnen zum Emseer zu ‚importieren‘.
Ich verbinde auch viele persönlich prägende Ereignisse indirekt oder direkt mit dem Emseea. Das Schließen außergewöhnlicher Freundschaften. Der Start in eine langjährige Beziehung. Die Freude über die Hochzeiten von sehr guten Freunden, aber auch das Verarbeiten des Todes von Mitgliedern der ‚Emseea-Familie‘.
Die Schließung und den potenziellen Abriss des Wirtshauses empfinde ich sowohl als persönlichen Verlust, als auch als Verlust für den Ort und seine Bevölkerung, die kulturelle Vielfalt im Salzkammergut und eines Stückes lebendiger Geschichte.“
– Rudi Lahnsteiner

GASTHAUS ZUR EBENSEE

Blick in die alteGaststube

(c) Foto: Zohner Andreas

„In Zeiten wo man bei Häusern eine Lebenserwartung von 70 Jahren einkalkuliert, wo es in Regionen wie dem Salzkammergut mit einer ausgeprägten, historisch entwickelten Baukultur, zu einem kontinuierlichem Verlust dieser Identität durch uniformierte, gleichgeschaltete Allerweltsarchitektur in der gebauten Umwelt kommt, schmerzt es besonders ein Wirtshaus mit 500 Jahren Geschichte, einer ursprünglichen und einprägsamen Gaststube und einer weitgehend ursprünglichen Fassade womöglich zu verlieren!

Die Einfachheit des Gebäudes und des Interiors ist kennzeichnend für Ebensee als Arbeiterort und somit ein unvergleichliches Stück heimischer Architektur.

Ersetzt werden soll es durch ein weiteres Beispiel unnötiger Wohnbebauung mit hohem Flächenbedarf und ohne architektonischer Qualität.

Architektur ist mehr als simples „Bauen“. Dieses Mehr als Ausdruck der Zeit in angemessener, qualitätsvoller Form kann zur Identität einer Region, einer Kommune, einen entscheidenden Beitrag leisten.

Mehr als 300 Jahre lang hat es das „Gasthaus Zur Ebensee“ gegeben, und nicht nur im Namen selbst spiegelt sich die kulturhistorische Bedeutung dieses Hauses.

Jahrhundertelang ein Treffpunkt für die Arbeiter des Salinenortes, wurde in den letzten Jahrzehnten daraus ein auf diese Traditionen aufbauendes, aber weit darüber hinaus gehendes soziokulturelles Zentrum, ein Ort der Begegnung, wie es heute nicht mehr viele in unserer Region gibt.

Nicht nur zahlreiche Ebenseer Musiker/innen konnte sich hier ihre ersten Sporen verdienen, auch international erfolgreiche Bands spielten hier (ich denke noch heute mit großer Begeisterung an das Konzert der legendären „Grandaddys“ zurück) und/oder vermischten sich in After-Show-Partys mit den Besucher/innnen.

Das führte zum Öffnen großer Fenster in die Welt, zu spannenden Gesprächen, innovativen Ideen… und viel Zusammenhalt im Ort.

Wer seine Geschichte verliert, verliert auch sein Gesicht, sein Profil, seine Identität(en)…

Wenn gerade heute, wo sich die Region auf die „Europäische Kulturhauptstadt 2024“ und auf deren nachhaltiger Nutzung im Sinne einer solidarischen, diskursiven, aber auch für die Gemeinschaft wertschöpfenden zukunftsweisenden Gestaltung unseres Lebensraums vorbereitet, ein so wichtiges Stück Ebenseer Wirtshausgeschichte verloren geht, raubt man denen, die nach uns kommen, ein wichtiges Stück Zukunft und Lebensqualität.“
– Dipl. Ing. Andreas Zohner, Franz Kornberger

(c) Gudrun Hotter

„Ich habe das Gasthaus zur Ebensee viele Jahre lang geführt. Der Anspruch war von Anfang an, einen Raum des Diskurses, des Austauschs und der Kultur zu erschaffen. Dieser Sozialraum scheint jetzt für immer verloren zu gehen. Geschlossen seit einem Jahr, werden die Verluste für uns EbenseerInnen bereits deutlich spürbar: Freundes- und Bekanntenkreise erodieren, politischer Diskurs (das Markenzeichen des Emseeas) kann nicht mehr geführt werden. Dieses Wirtshaus schuf für viele unterschiedliche Menschen – von der Arbeiter*In zur Manager*in, vom Volkmusikfan bis zu den Anhänger*innen alternativer Musik – einen Ort des Freiraums und der Begegnung. Der Wegfall dieser jahrhundertealten Institution bedeutet nichts weniger als eine soziokulturelle Verarmung, die sämtliche EinwohnerInnen von Ebensee betrifft und auch ihn Zukunft betreffen wird.“

– Mag. Gudrun Hotter

„Vorrausschicken muss ich, dass ich schon seit mehr als 30 Jahren nicht mehr in Ebensee wohne – im Grunde aber immer noch als Ebenseer fühle und am Ebenseeischen Anteil nehme. Ich lese mindestens 1 mal in der Woche „Salzi.at“ und schaue über „Bergfex“ in die Panoramakamera. Ich rufe am 11.11. meine ebenseer Freunde an und ziehe so oft es mir  beruflich oder familiär  möglich ist meine kleinen Runden im Ort und kehre – schon aus reiner Solidarität- sooft sich eine geöffnete Gaststätte auf meinem Weg befindet ein. Immer wieder schmerzt es mich, wenn ich vor – für immer – geschlossenen Türen stehe.
Nun ist es vielleicht bald wieder soweit, deshalb meine kleine Reminiszenz.
Mein erster Besuch beim Ebenseerwirt fand am 26. Dezember 1976 statt – oder war es 1975 – wurscht auf jeden Fall war es kurz nach 9 Uhr. Die Gaststube, spärlich durch Kerzen beleuchtet, vielstimmiger und etwas dissonanter Gesang hatten  mich schon an der Eingangstür empfangen, war warm und von einem  heute nur noch selten anzutreffenden Geruchsbuquet durchzogen. Schnapsdampf, Virginierqualm, Tabakrauch  und Bratendunst hingen unter der niedrigen Decke und luden mich, der ich für diese Gerüche sehr empfänglich bin, ja damit erst richtige Gemütlichkeit verbinde, zum mehrstündigen Verweilen mit meinen bereits anwesenden Freunden ein.
Die – ihr habt es erraten – Krambamperlfeier  – endete (nicht ganz dem überlieferten Brauch gemäß) erst am Nachmittag, nachdem unser Gitarrist, der unsere Krippen- Weihnachts- und andere Gesänge begleitet hatte mitten  im Lied, ja im Akkord eingeschlafen war und uns die resolute aber durchaus liebenswürdige Wirtin aus dem Lokal scheuchte.
Seitdem war ich dann immer wieder dort, habe mich mit Freunden getroffen, habe Feste gefeiert oder allein als Kiebitz den Gesprächen am selbstverständlichen Stammtisch gelauscht und mich manchmal auch über die Liberalität der dort geäußerten Ansichten und Diskussionen gewundert, was wahrscheinlich der weisen und unaufdringlichen Konduktion der Wirtin geschuldet war.
Ich erinnere mich an einen – ich muss schon schreiben – Dichterfürsten, der obwohl schon in die Jahre gekommen-  immer wieder gerne im Zuge seiner Lesereisen beim Ebenseer eingekehrt ist. Um sich- um auf ein konkretes Beispiel Bezug zu nehmen, das sich anlässlich der Kulturwoche 1978 (ja das gabs damals auch)  zugetragen hat – mit 14 vierteln Wein auf eine Lesung im großen Rathaussaal vor geladenem Publikum vorbereitet hat und am Stammtisch aus seinem – mit einer schwarzen Tinte geschriebenen Gedichten und Fabeln vorzutragen – auswendig wohlgemerkt, nur um selbiges einige Stehvierteln mehr – der Direktionschaufeur der Solvay Werke stand schon die ganze Zeit neben ihm, um ihn endlich – schon mit Verspätung zu den 300 Wartenden im Rathaussaal zu fahren. 
Er hat dort übrigens eine fulminante sehr professionelle Lesung hingelegt und die dort auf seinem Lesetisch zum Befeuchten der Zunge aufgestellte 1 Literkaraffe Weisswein, die er sich im Rahmen der Gagenverhandlungen ausbedungen hatte auch wirklich auszutrinken. Ob seines schwankenden Ganges  zur großen Bühne hatte ein dienstbarer Geist dieselbe wieder verschwinden lassen wollen, der Dichter jedoch hielt solange dicht und sagte kein Wort sodass es schon unruhig wurde im Saal – jedoch mit den mit Inbrunst und lauter Stimme deklamieren  Worten“ wo ist mein wein!! ?“ wurde dieser umstand rasch behoben und die Karaffe wieder aufgestellt.
Vieles würde mir noch einfallen, … jedoch ich muss mich kürzer fassen.
Danke lieber Ebenseerwirt, danke lieber Emseea, für viele schöne Stunden“
– Wolfgang Duchan